Schulqualität

17 Sep, 2008
Autor: red
Kategorie: Allgemein

Professoren stellen am Ernestinum neue Lehrkonzepte für Naturwissenschaften vor

Ungewohnter Besuch im Gymnasium Ernestinum: Zwei Professorinnen und ein Professor haben jetzt Projekte vorgestellt, mit denen der naturwissenschaftliche Unterricht an Deutschlands Schulen neuen Schwung erhalten soll. Innerhalb dieser Projekte werden Unterrichtsmodelle entwickelt, die einzelne Fachthemen verstärkt mit der Schüler-Lebenswelt verbinden.
Fachlehrer vom Ernestinum und aus benachbarten Schulen waren bei den Vorträgen von Dr. Ilka Parchmann (Chemie), Dr. Michael Komorek (Physik) und Dr. Corinna Hoessle (Biologie), alle Dozenten an der Universität Oldenburg, zu Gast, weniger, um sofort ihren bisherigen Unterricht aus den Angeln zu heben, als um einen Einblick zu bekommen, was das „Bundesministerium für Bildung und Forschung“ an Universitäten und Schulen geplant hat, um das durch die Pisa-Studien belegte schlechte Abschneiden der Schüler in den Naturwissenschaften zu verbessern.
Sie erfuhren, dass bundesweit Arbeitsgruppen aus Lehrern und Dozenten eingesetzt sind, die ein nicht ganz einfach zu erreichendes Ziel vor Augen haben: Auf der einen Seite entwerfen die Arbeitsgruppen „Kontexte“ für das Fachwissen in den jeweiligen Fächern, spannende Themen, wie zum Beispiel „Nano-Technologie im Alltag“, „Ötzi“-Forschung oder die Frage, ob Sportler sich dopen dürfen. „Die methodische Monokultur soll durch eine lebendige ,Lehr-Lern-Kultur‘ abgelöst werden“, so Dr. Ilka Parchmann. Schon jetzt zeigen Untersuchungsergebnisse im Fach Chemie, dass die Schüler deutlich mehr Motivation und Lernfreude entwickeln.
Andererseits müssen aber auch die jeweiligen Bildungsstandards erfüllt, die Schüler zügig auf die einheitlichen Prüfungsanforderungen vorbereitet werden. Je intensiver man solche „sinnstiftenden“ Kontexte heranzieht, desto mehr lenken sie vom geradlinigen Erwerb des Basiswissens ab. Was die konkreten Lernerfolge rund um das abfragbare Basiswissen betrifft, so konnten in den Unterrichtsversuchen vor Ort bisher, so Parchmann, noch keine messbaren Unterschiede festgestellt werden. Auch fällt es vielen Schülern nicht leicht, die für diesen neuen Unterrichtsstil geforderte Eigenständigkeit aufzubringen.
So stand auch in den anschließenden Diskussion zwischen Professoren und Lehrern schnell fest, dass eine erfolgreiche Umsetzung des „Kontext“-Modells einen ständigen Austausch zwischen Schule, Universität und Ministerium braucht, dergestalt, dass nicht nur der Unterricht sich verändert, sondern auch die dazugehörigen Lehrpläne. Genau das zu erreichen, sähen sie als ihre spezielle Verantwortung an, bestätigte Physiker Michael Komorek.
Schulleiter Reinhold Lüthen, der die Wissenschaftler eingeladen hatte, betonte: „Ein anregender Unterricht, der den Schülern zeigt, wofür sie naturwissenschaftliches Wissen brauchen, muss mit den Anforderungen der Lehrpläne vereinbar gemacht werden. Das ist die große Aufgabe der nächsten Jahre!“ Ohne eine Entrümpelung alter Lehrpläne käme man nicht weiter.
Das Kollegium sei sehr interessiert an kontextorientierten Unterrichtsmodellen. „Im Grunde machen wir das bereits: Wenn die Schüler im Keller der Schule Apfelsaft pressen und dann analysieren, entspricht das genau dem neuen Konzept.“
© Schaumburger Zeitung, 01.02.2007
Projekt „Lernen lernen“
Einer langjährigen Tradition am Ernestinum folgend beginnen wir kurz vor den Herbstferien vor allem in den 5. bis 8. Klassen in einem Teil der Unterrichtsstunden mit unserem Projekt zum Thema „Lernen lernen“.
Im Folgenden möchten wir Sie eingehender darüber informieren.
Es gehört zu der traditionellen Aufgabe der Schule, Wissen zu vermitteln. Diese Aufgabe, neben anderen, hat Schule auch heute noch. Da das Wissen heute immer schneller veraltet, die Menge an Wissen geradezu explodiert und wir über das Internet weltweiten Zugang zu fast allen Informationen haben, hat Schule heute zusätzlich die Aufgabe, die Schüler zu kompetenten „Wissensmanagern“ zu machen. Mit diesem modernen Begriff „Wissensmanagement“ bezeichnet man zusammenfassend die Fähigkeit, sich selbständig neues und relevantes Wissen anzueignen und dieses Wissen dann konstruktiv für die Lösung von Problemen zu nutzen. Wer sich neues Wissen angeeignet hat und dieses nutzen kann, hat etwas gelernt.
Wer dieses selbständig tun kann, ist in der Lage selbständig zu lernen. Er hat gelernt, wie man lernt, und er ist damit bestens vorbereitet, sein ganzes Leben lang zu lernen.
Wir halten diese Fertigkeit, zu wissen wie man lernt, für eine Schlüsselqualifikation, die unsere Schüler für ihr Lernen in der Schule, aber auch für ihr Lernen nach der Schule erwerben müssen.
Da gerade das Erlernen von Fertigkeiten Üben voraussetzt, sollten die Schüler die acht Jahre von Klasse 5 bis zum Abitur am Ende des 12. Jahrgangs nutzen, um auch diese Fertigkeit des Lernens in zunehmend komplexeren Zusammenhängen zu üben.
In unserem schuleigenen Methodencurriculum haben wir hierzu einige „Bausteine“ festgelegt und auf die Schuljahre verteilt. Die Einführung umfasst zum Teil einen ganzen Schultag, häufiger jedoch nur einige Unterrichtsstunden.
1. Methodentraining
Heftführung, Arbeitsplatzgestaltung, Hausaufgaben, Klassenarbeiten vorbereiten, Zeitmanagement, Markieren & Strukturieren, Effektiver lernen & behalten, Rasch lesen & nachschlagen, Ordnen und Strukturieren, Visualisieren und Gestalten
2. Kommunikation zwischen Schülern
In Gruppen arbeiten, GA-Regeln erarbeiten und verabreden, Gute Arbeitsteilung in der Gruppenarbeit
3.Teamarbeit im Klassenraum
angstfreies Sprechen & Argumentieren üben, Miteinander reden lernen, Das kleine 1×1 der Rhetorik
4.Eigenverantwortliches Arbeiten im Unterricht
Freiarbeit, Projektarbeit, Wochenplanarbeit, Facharbeit

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