Konzentrationslager Stutthof – deutsch-polnische Geschichte

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Polnische und deutsche Schüler arbeiten gemeinsame Geschichte auf!
Theoretische und praktische Arbeit – So wird Geschichte lebendig

Auch 2009  fand wieder der Austausch zwischen deutschen Schülern des Gymnasiums Ernestinum und polnischen Schülern des Lyceums in Slawno statt.
Der schon seit 1991 bestehende Austausch führt nun zum zweiten Mal nicht nur nach Slawno sondern weiter nach Stutthof, wo sich das ehemalige deutsche Konzentrationslager befindet.

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Am 13. Juni machten wir uns auf den Weg nach Slawno, wo wir unsere Austauschpartner treffen sollten. Aufgrund der  Zugverbindung kamen wir schließlich mit zwei Stunden Verspätung dort an und wurden dann herzlich von unseren Gastfamilien empfangen.

Gemeinsam ging es am nächsten Morgen weiter nach Stutthof.

Nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten, gingen wir zum nahe gelegenen Strand um uns erst einmal von den Strapazen der langen Reise zu erholen und uns besser kennen zu lernen.

Nach einem angenehmen Frühstück am nächsten Morgen gingen wir zum ersten Mal, in Begleitung zweier deutsch- und polnischsprachigen jungen Frauen, die ihr freiwilliges soziales Jahr hier absolvieren, zum Konzentrationslager.

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Vor Ort erklärten sie uns in einer ausführlichen Führung die Geschichte des Lagers. Anschließend stellten wir uns noch einmal gegenseitig, anhand von gesammelten Informationen, ausgesuchte Plätze innerhalb des Lagers vor.

Um noch mehr über die Umstände des Lagers und der Häftlinge zu erfahren, sahen wir uns Mappen zu bestimmten Themenbereichen an, die anschließend vorgestellt wurden. Wir erfuhren, dass in Stutthof 110 000 Menschen durch das so genannte „Todestor“, den Eingang des KZs, gingen und dass insgesamt ungefähr 65 000 Häftlinge einen grausamen Tod starben, durch zuwenig Nahrung, schlechte Hygiene und zu harte Arbeit.

Besonders erschreckend war zu hören, dass in der Kommandantur festliche Bankette abgehalten wurden, während nebenan in den Baracken Menschen hungerten und starben. Sogar den Hunden ging es in Stutthof besser als den Häftlingen.

Beim Anblick der Gaskammer oder der Öfen wurde uns bewusst, dass sich das alles wirklich genau hier abgespielt hatte. Bei dem Gedanken daran überkam uns ein beklemmendes und trauriges Gefühl.

Auch Einzelschicksale und alte originale Akten, in denen wir stöbern durften, halfen uns dabei, die Situation und die Gefühle der Häftlinge ansatzweise nachzuvollziehen.

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Die praktische Arbeit, das bereinigen einer Wiese, gab uns einen Einblick in die damalige Arbeit der Häftlinge. Es gab nur einfache Werkzeuge, die Menschen waren unterernährt, erschöpft und mussten bei großer Hitze und bitterer Kälte ohne die passende Kleidung arbeiten. Wir hingegen hatten, neben angenehmen Sonnenschein, die passenden Gartengeräte und genug zu Essen und Trinken. Zudem war unsere Aufgabe wahrscheinlich um einiges leichter als die Arbeit, die früher verrichtet werden musste, wie das Rohden von Wald oder das sinnlose graben von Löchern, die anschließend wieder zugeschüttet wurden.

In unserer Freizeit waren wir oft am Strand, spielten Karten oder saßen einfach zusammen und redeten.

Anschließen trafen wir uns jeden Abend um über unsere Erfahrungen zu sprechen und so die Eindrücke des Tages besser verarbeiten zu können.

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An unserem letzten Tag in Stutthof verabschiedeten wir uns vom Lager, in dem wir an dem Ort, der uns am meisten beeindruckt oder bedeutet hatte, eine Rose niederlegten oder eine Kerze anzündeten.

Den Freitag verbrachten wir alle zusammen in Danzig. Nach einer kleinen Stadtführung hatten wir, da das geplante Zeitzeugengespräch leider ausfiel, die Möglichkeit shoppen zu gehen und uns die Stadt noch einmal anzuschauen.

Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns von unseren Austauschpartnern und traten schließlich, nach einer anstrengenden, aber sehr interessanten Woche die Rückreise an.

In der Woche vom 19. bis zum 26. September fand der Gegenbesuch der polnischen Schüler statt. Wir beendeten unser Projekt, welches im Ernestinum in Form einer Stellwand ausgestellt werden wird und verbrachten eine schöne Woche zusammen.

Von Kimberly Kirchhoff und Margarethe Dieckmann

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