Schülerscouts

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Vorbildliches Heimfahren wird garantiert

Darauf achten, dass niemandem etwas passiert und alles mit rechten Dingen zugeht: Das sind die allgemein bekannten Aufgaben eines Schülerscouts. Doch klingt es meist einfacher, als es umzusetzen ist. Deshalb fand im Februar 2011 zum achten Mal die Ausbildung von Schülerscouts von der Polizeiinspektion Schaumburg am Ernestinum statt. Das Besondere an diesem Training war die erste Zusammenkunft mit der berufsbildenden Schule an der Burgfeldsweide.

„Wir freuen uns riesig darüber, denn schließlich benutzen auch die Berufsschüler die Bushaltestelle“, berichtet Norma Bernhardt, Lehrerin am Ernestinum. Diese sei der Hauptaufgabenbereich der Scouts, da an diesem Ort viele (ungewollte) Unfälle passieren können.

Doch nun hat man das geschafft, was andere Schulen (teilweise vergeblich) versuchen. Hier stehen jeden Tag rund 600 Schüler nach Schulschluss in Reih und Glied und steigen ohne Gedrängel ein. „Es ist ein Phänomen“, meint Bernhardt. „Man kann sich das einfach nicht vorstellen, aber alle wissen, wo sie sich einzuordnen haben.“ Wie hat man das geschafft? Es sei ein langer Weg gewesen, um dahin zu kommen, wo man heute sei, erklärt Polizeihauptkommissar Adolf Deterding, der die Schülerscouts ausbildet. Dennoch ein Weg, der sich gelohnt hat.

18 Gymnasiasten und zwei Berufsschülerinnen kamen vergangene Woche zusammen und lernten unter der Aufsicht von Deterding selbstsicherer aufzutreten, damit sie als spätere Schülerscouts auch von älteren Schülern ernst genommen werden. Zu Beginn musste sich jeder vor der Gruppe vorstellen — stehend, nur mit einem Notizblatt in der Hand. Anschließend wurden dann von den anderen Gruppenmitgliedern positive Kritiken wie auch Verbesserungsvorschläge geäußert.

„Besonders wichtig ist es, richtig zu kommunizieren und dabei auch auf die Körpersprache zu achten“, sagt Deterding. „Wenn man sich in einer heiklen Situation zum Beispiel im Ton vergreift, kann es sein, dass das Fass bei seinem Gegenüber dadurch zum Überlaufen gebracht wird.“

In Rollenspielen, wie zum Beispiel einer nachgestellten Prügelszene, wurde den Schülern deshalb gezeigt, wie man sich am besten verhält; wie man die Personen in solchen Augenblicken richtig anspricht. Ähnlich wie bei dem Spiel „Plumpssack“ wurden sie zudem in Stresssituation gesetzt. „Wichtig ist es hierbei, dann Ruhe zu bewahren“, erklärt Deterding. Denn wer nervös wirkt, wird sein Gegenüber im Ernstfall wenig beeindrucken können.

Auch bei den Schülern kommt das Training gut an: „Dadurch lernt man den richtigen Umgang mit Menschen, was für mich interessant ist, da ich später in den Pflegebereich gehen möchte“, erzählt die 18-jährige Berufsschülerin Sandra Rindfleisch. Ein zusätzlicher Anreiz bei diesem Projekt mit zu agieren, sei zudem eine positive Vermerkung im Zeugnis wie auch eine kostenfreie Busfahrkarte.

Die beiden 14-jährigen Gymnasiasten Melanie Buchmann und Lina Kölling kennen die Schülerscouts, seitdem sie die Schule besuchen und sind froh darüber: „An der Realschule sieht man immer wieder, wie sich die Jugendlichen gegenseitig schubsen und drängeln, um als Erstes in den Bus zu kommen. Bei uns ist das Gott sei Dank nicht so.“ Außerdem sei die Ausbildung zum Schülerscout auch hilfreich für einen selbst, wenn man später in einem Bewerbungsgespräch sitzt, fügen sie hinzu.

Bernhardt erzählt auch, dass die diesjährigen Abiturienten der Schule erzählt hätten, dass sie das Programm der Schülerscouts gar nicht von Anfang an mitbekommen hätten. Umso erfreulicher sei es, dass die Schüler, die neu auf die Schule kommen, damit nun „aufwachsen“.

Am Gymnasium in Stolzenau sei die Ausbildung der Scouts sogar so begehrt, dass sich die Schüler nun selber zusammensetzen und ein Schülerscout-Casting durchführen, berichtet Deterding. Eine solche Aktion sei für Rinteln als Nächstes geplant.

Außerdem soll die Zusammenarbeit mit der Berufsschule auch weiterhin gepflegt und wenn möglich zu einer neuen Tradition werden.

Artikel vom 28.02.2011 -Von Luisa Brockhage Schaumburger Zeitung