Austausch mit Chongqing
“Antenne für die Vielfalt anderer Kulturen”
Austausch des Gymnasiums mit Chongqing: Chinesische Schüler und Lehrer zu Gast in Rinteln
Seine ersten Eindrücke von Deutschland? “The blue sky and the beautiful countryside” - der blaue Himmel und die schöne Landschaft. Und: Sehr sauber sei es überall. Lu Rungdong ist einer von 21 Schülern der No. 8 Middle School aus dem südwestchinesischen Chongqing, die gemeinsam mit drei Lehrern seit Sonntag zu Gast am Gymnasium Ernestinum sind. Von den Erfahrungen der ersten Tage hat Lu gestern Vormittag bei der offiziellen Begrüßung der Delegation im Forum der Schule erzählt. Und von den Hoffnungen, dass die Zeit in Rinteln eine “unforgettable experience” werde, eine unvergessliche Erfahrung.
Dafür zumindest wollen Schulleiter Reinhold Lüthen, Austausch-Organisator Ralf Kirstan mit seiner aus China stammenden Ehefrau Liping und die Schaumburger Gastfamilien alles tun. Ein umfangreiches Besuchsprogramm ist bis zum 18. Juli geplant: Bereits am Dienstag hat die Gruppe Berlin besucht, heute wird das Bückeburger Schloss besichtigt, in der kommenden Woche geht es unter anderem zum Max-Planck-Institut nach Göttingen, mit einer chinesischsprachigen Stadtführung durch Hameln und ins Kernkraftwerk Grohnde, zum Abschluss ist dann noch eine zweitägige Paris-Tour geplant. Zwischendurch nehmen die Chinesen immer wieder am Unterricht im Ernestinum teil - und erleben den ganz normalen Alltag in den deutschen Gastfamilien.
Denn das ist wohl das Wichtigste an diesem Austausch, der mit dem ersten Besuch einer Schüler-Lehrer-Gruppe vom Ernestinum in Chongqing im November 2007 seinen Anfang genommen hatte. Dass die jungen Deutschen und Chinesen eine “Antenne für die anregende Vielfalt anderer Kulturen” entwickeln, wünscht sich Lüthen: “Dieser Austausch ist ein kleiner, aber wichtiger Beitrag zum gegenseitigen Verständnis zweier Völker.”
Ähnlich bewerteten Rintelns Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz und Friedrich-Wilhelm Dehne als Vertreter des Landkreises den Austausch: “Die besten internationalen Vereinbarungen nützen wenig, wenn sie nicht gelebt werden.”
Gelebt wurde die kulturelle Vielfalt auch gestern schon: Eine Gruppe chinesischer Schülerinnen trug ein klassisches chinesisches Gedicht vor, das Schulorchester unter der Leitung von Daniel Ellermann spielte die chinesische Nationalhymne - die Achtklässlerin Lara Kuhlmann hatte hierfür mit Unterstützung durch ein “YouTube”-Video extra den Text gelernt, Lehrer Liu Yalin zeigte zwei kleine Zaubertricks, und am Ende sorgten Dennis Kölling, Christian Döpke, Nicolai Plier und Niklas Zörkler mit ihrer Band “Just Another Crisis” vor allem bei den jungen Chinesinnen für Begeisterung - das Foto-Shooting im Anschluss dauerte beinahe so lange wie der Auftritt.
Qing Zhiren, stellvertretender Schulleiter der No. 8 Middle School, bedankte sich für den herzlichen Empfang seiner Gruppe in den deutschen Familien. Er freue sich darauf, die deutsche Kultur, Mentalität und Philosophie näher kennenzulernen - und besonders freue er sich darüber, dass am Ernestinum mittlerweile Chinesisch unterrichtet werde. “Das ist sehr wichtig auch für unseren Austausch”, übersetzte Liping Kirstan das Grußwort des Vize-Rektors ins Deutsche.
Und ein bisschen Deutsch sprechen ja auch die chinesischen Schüler. Für sein “Guten Tag” jedenfalls erntete Lu Rungdong gestern tosenden Applaus.
© Schaumburger Zeitung, 03.07.2008
Unser Schulfest 2008
Erlös für das Patenkind: “Damit Emelda zur Privatschule gehen kann”
Kissenschlacht, Modenschau, Chinesisch-Spezialiäten
Am Freitag hat sich der Schulhof des Gymnasiums Ernestinum in ein frohes Farbenmeer verwandelt: Lehrer, Schüler, Eltern, Familienangehörige und Freunde feierten am Nachmittag ein ausgelassenes Schulfest, das offiziell von Schulleiter Reinhold Lüthen eröffnet worden ist.
Auf zwei eigens für diesen Anlass auf dem Schulgelände platzierten Bühnen fanden Modenschauen statt - so präsentierte die Klasse 8/2 Mode von früher bis heute. Der zwölfte Jahrgang zeigte seine eigenen Entwürfe. Für musikalische Unterhaltung sorgten Bläserklasse und Schulband.
Auch die Auswahl an Essen und Getränken ließ keine Wünsche offen: Neben den verschiedensten Erfrischungsgetränken und Cocktails war natürlich auch mit fester Nahrung bestens für das leibliche Wohl gesorgt.
Der “Spanien-Stand” der Klasse 9/2 lockte mit dem Spruch “Essen wie die Europameister” und bot unter anderem Spezialitäten wie Chorizos und Sangria an.
Die chinesischen Austauschschüler, die zurzeit in Rinteln zu Gast sind, haben extra Spezialitäten aus ihrer Heimat vorbereitet - so hatte man die Qual der Wahl zwischen Maultaschen mit Gemüse und “Hot Pot”. Beim Glücksraddrehen konnten die Besucher allerlei Kleinigkeiten gewinnen oder beim Torwandschießen ihr Können unter Beweis stellen. Bei einer Kissenschlacht auf dem schmalen Balken musste man seine Standhaftigkeit und Schlagfähigkeit beweisen, um nicht zuerst im Gras zu landen. Die letzten Kräfte konnten die kleinen Festgäste dann auf der Hüpfburg lassen.
Viele Gäste wollten immer schon einmal wissen, wie man ihren Namen auf Chinesisch schreibt. Kein Problem - am Stand der Chinesen wurde jeder Name problemlos in chinesischer Schrift auf das Papier gebracht.
Die Erlöse des Schulfestes sollen zum Großteil in die Verschönerung der Schule investiert werden. Die Klasse 6/3 hat sich vorgenommen, das Geld, dass sie durch den Verkauf von ihren Töpferwaren eingenommen hat, anderweitig zu verwenden. Mit ihren Einnahmen wollen die Kinder ihr Patenkind Emelda aus Kenia unterstützen.
“Emelda ist genauso alt wie wir - also zwölf. Und wir wollen ihr die Möglichkeit geben, auf eine Privatschule zu gehen, damit sie eine gute Schulausbildung bekommt”, sagt Helena Silber, die ebenfalls am Stand mitgewirkt hat.
© Schaumburger Zeitung, 08.07.2008
Wenn Tradition und Weltbild langsam zerbrechen - Musical 2008 “Anatevka”
Rund 50 Schülerinnen und Schüler der Orchester-, Theater- und Technik-AGs des Gymnasiums Ernestinum haben seit Monaten für die Aufführung des Musicals “Anatevka” geprobt. Die Handlung spielt im Zeitalter des Russischen Reiches in der Ukraine, es geht um Traditionen und ihren langsamen Aufbruch.
“Es ist immer wieder beeindruckend, wie engagiert und eigenständig die Schüler arbeiten”, lobt Dirk Wilkening, Leiter der Theater-AG. Die Schüler hätten sich um die Plakate, Eintrittskarten, Programmhefte und die Requisiten gekümmert. Viele Requisiten für das Stück, das im Russischen Reich in dem ukrainischen Dörfchen Anatevka, in der vorrevolutionären Zeit um 1905 spielt, konnten die jungen Schauspieler bei der Antikscheune Exten ausleihen. Und bedanken sich dafür ganz besonders.
Neben den AG-Stunden “opferten” die Jugendlichen jede Menge Freizeit am Wochenende für ihre Proben. “Besonders wichtig war die einwöchige Fahrt zur Burg Ludwigstein. Ohne diese intensiven Proben wäre die Aufführung des Musicals nicht möglich”, erklärt Wilkening. Schließlich müssten Theater-AG, Orchester und die Technik gemeinsam proben.
Das Musical Anatevka habe man ausgewählt, weil es von wunderbarer Musik getragen würde und das Thema aktuell sei. Durch die Hauptfigur “Tevje”, gespielt von Peter Oldag, wird in dem Stück gezeigt, wie es ist, wenn Tradition und Weltbild langsam zerbrechen. Die Traditionen können dem Fortschritt nicht standhalten und auch die Ausgrenzung von Minderheiten ist in dem Musical ein wichtiges Thema.
Zum Inhalt: In dem Dorf Anatevka lebt eine jüdische Gemeinschaft, die großen Wert auf die Tradition legt. Der Milchmann Tevje lebt mit seiner Frau Golde und seinen Töchtern in Armut. Trotz drohender Pogrome im zaristischen Russland bewahrt Tevje seinen Lebensmut und seinen Humor. Seine traditionsbewusste Lebensgestaltung gerät allerdingsin Wanken, als die ältesten seiner Töchter ins heiratsfähige Alter kommen.
© Schaumburger Zeitung, 14.05.2008
Tom Buckler aus Kendal ist Schulassistent am Ernestinum - und geht Ende Juni nach England zurück
Tom Buckler aus Kendal hat sozusagen ein Jahr lang Städtepartnerschaft pur in Rinteln vor- und ausgelebt. Der junge Brite ist Fremdsprachenassistent am Gymnasium Ernestinum gewesen und stellt sich allmählich auf die Rückkehr in seine Heimatstadt im malerischen Lake District ein.
Alle lieben Tom: In seinem Jahr als Fremdsprachenassistent am Gymnasium Ernestinum hat Tom Buckler aus Rintelns britischer Partnerstadt Kendal viele Freunde gewonnen.
“Der 21-jährige Student hat mit seiner offenen und originellen Art nicht erst im vergangenen Schuljahr Herzen erobert”, bestätigt Sylvia Bohle. Die Fachobfrau des Rintelner Gymnasiums für Englisch ist Toms Mentorin gewesen und versichert: “Wir würden ihn am liebsten gar nicht wieder gehen lassen, weil er eine so tolle Hilfe und Bereicherung für den Unterricht gewesen ist.”
Im Rahmen eines EU-Austausch-Programms hatte sich Tom Buckler um eine Schulassistenten-Stelle in Deutschland beworben. “Dass er aber ausgerechnet nach Rinteln und zu uns ans Ernestinum wollte, hat man bei der Vermittlungsstelle in Hannover nicht verstehen wollen, weil die meisten Bewerber lieber an eine Großstadtschule wollen”, erklärt Sylvia Bohle.
Für ihn sei von vornherein nichts anderes als die deutsche Partnerstadt von Kendal infrage gekommen, bestätigt Tom. Und auch, dass er dafür mindestens zwei triftige Gründe gehabt hat: Denn schon im Jahr 2004 sei er als Austauschschüler am Ernestinum gewesen und sein Plan sei es gewesen, jetzt für ein Jahr in Rinteln seine Deutschkenntnisse zu verbessern sowie gleich die vor vier Jahren geschlossenen Freundschaften aufzufrischen.
Zu beidem hat er reichlich Gelegenheit gehabt, so in den ersten Wochen, während er bei Familie Wethmüller am Kirchplatz gewohnt hat, bevor er für die übrige Zeit eine eigene kleine Wohnung bezogen hat.
“Tom ist völlig in den Englischunterricht integriert gewesen, von der fünften bis zur 13. Klasse”, erklärt Sylvia Bohle. Ein Schwerpunkt sei der Kleingruppenunterricht gewesen mit der Möglichkeit für die Schüler, Englisch im Originalton hören zu können. “Die Kleineren haben anfangs gemeint, meine Stimme höre sich an wie die von Mister Bean aus dem Fernsehen”, berichtet er mit einer guten Portion von trockenem britischen Humor.
Dass Tom nicht zu vergleichen sei mit dem skurrilen Comedy-Sonderling, hätten alle schnell miterleben können, bestätigt Sylvia Bohle. Er habe unter anderem mit den Schülern Themen behandelt und besprochen, “die im normalen Unterricht nicht vor- kommen”.
Zum Beispiel “Comedy in Great Britain” und tagesaktuelle Geschehnisse. Darüber hinaus sei der Schulassistent je nach Bedarf variabel im Unterricht eingesetzt worden, wo immer Unterstützung gebraucht worden sei.
In der Begabtenförderung hat Tom Buckler geholfen, Englischkenntnisse und Aussprache zu verfeinern. In der Förderschule am Sonnabend für die neunten Klassen hat sich Tom für die Verbesserung der Schreibkompetenz der Schüler engagiert. “Und ganz besonders beliebt war die ?Teatime with Tom’ an jedem Mittwoch in der Mittagspause”, berichtet Sylvia Bohle davon, wie begeistert die Schüler bei Tee beziehungsweise Kaffee fast beiläufig ihr Englisch trainiert haben. Und fast ganz nebenbei sei Tom auch noch Jury-Mitglied bei einem Englisch-Vorlesewettbewerb gewesen.
“Die Zeit mit Tom war super”, schwärmt die Lehrerin und stellt dem erprobten Fremdsprachenassistenten damit das allerbeste Zeugnis aus. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge lässt der gesamte Fachbereich Englisch ihn ziehen.
Tom Buckler selber hängt allerdings auf eigenen Wunsch noch ein paar Wochen in Deutschland dran bis Ende Juni. Er wolle ein Praktikum in einer Rintelner Arztpraxis folgen lassen, verrät der junge Brite.
Der Hintergrund: “Mit meinen Fächern Deutsch und Altgriechisch will ich eigentlich Medizin studieren und nicht Lehrer werden, was aber von Anfang an nicht mein Plan gewesen ist”, sagt Tom. Trotzdem werde er mit zwei weiteren Semestern in Deutsch und Altgriechisch sein Fremdsprachenstudium in Edinburgh zu Ende bringen.
© Schaumburger Zeitung, 30.05.2008
Professor referiert über Schreibkompetenzen
Um über kompetenzorientierten Schreibunterricht zu referieren, ist am vergangenen Freitag Ulf Abraham von der Universität Bamberg, Professor mit Lehrstuhl für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur, einen Tag lang als Gastdozent am Gymnasium Ernestinum gewesen.
Teilgenommen an der eintägigen Fortbildung, die Josephine Kappes als Fachleiterin organisiert hat, haben alle Lehrkräfte für das Fach Deutsch sowie zwei Referendargruppen mit rund 20 Teilnehmern aus Stadthagen.
Und so hatten die etwa 40 angehenden beziehungsweise langjährig berufstätigen Pädagogen für einen Tag die Möglichkeit, wieder die Schulbank zu drücken und sich in die Perspektive der Schüler zu versetzen, während sie von Ulf Abraham über die neuesten Erkenntnisse im Fach Deutsch informiert wurden.
So bestand eine der Aufgaben, die der Professor den Lehrkräften mitgebracht hatte, darin, zu einem Bild der Malerin Justine Otto - das offensichtlich eine Konfliktsituation darstellen sollte - eine freie Geschichte zu erfinden.
“DieseÜbung soll verdeutlichen, wie man Schülern helfen kann, mit kreativen Texten umzugehen und wie Lehrer entsprechend darauf eingehen können”, klärte Abraham nach Seminarende auf. Ziel sei es, neuere Erkenntnisse der Hochschulpraxis künftig in den Schulunterricht einzubeziehen. Inzwischen bestehean vielen Schulen der Bedarf, den Unterricht umzustrukturieren und komplett anders zu gestalten.
Abraham selber hat sich intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt und als Mitherausgeber der Fachzeitschrift “Praxis Deutsch” kürzlich ein entsprechendes Themenheft veröffentlicht. Inzwischen referiert er deutschlandweit an den verschiedensten Schulen - soweit es seine Zeit zulässt: “Ich habe mittlerweile so viele Anfragen, ich kann gar nicht alle annehmen.”
Josephine Kappes ist durch Kollegen aus Hameln auf den Referenten, der dort vor einiger Zeit zu Gast gewesen ist, aufmerksam geworden. “Da wir momentan kein Fortbildungsangebot im Fach Deutsch haben, habe ich mich erkundigt, was andere Schulen machen”, schilderte die Fachleiterin, die mit dem Seminar voll und ganz zufrieden ist: “Der Vortrag war unglaublich gut strukturiert und sehr auf Lehrerebene umsetzbar. Und kritische Punkte wurden ebenfalls angesprochen.” Auch die Rückmeldungen seitens ihrer Kollegen seien “durchweg positiv” gewesen.
Das kann Angelika Fischer, ebenfalls Deutschlehrerin am Ernestinum, nur bestätigen: “Wir haben genau das ausprobiert, was wir auch von unseren Schülern fordern.”
Dabei sei es interessant gewesen, die Schülerperspektive einzunehmen und die Schwierigkeiten, die Schüler oft haben, hautnah zu erleben. Denn gerade gestandene Lehrer, so Angelika Fischer, hätten oft Probleme damit, neue Begriffe und Kompetenzen in den Unterricht zu integrieren.
Ihre neu gewonnenen Erkenntnisse wollen die Gymnasiallehrer nun effektiv in den Unterricht mit einbeziehen. In etwa einem halben Jahr soll dann Bilanz gezogen - und ein schulinterner Austausch zu den bis dahin gesammelten Erfahrungen organisiert werden.
© Schaumburger Zeitung, 12.06.2008
keep looking »