Gymnasium Ernestinum Rinteln

Europaschule

Technik-Tag am Ernestinum

“Technik-Tag” - weilüberall Ingenieure fehlen

Am Ernestinum: Namhafte Referenten machen Schülern naturwissenschaftliches Studium schmackhaft

Rinteln (wm). Dass in der Industrie Ingenieure fehlen und diese Tatsache von vielen Unternehmen inzwischen als echter Hemmschuh für weiteres Wachstum genannt wird, kann man regelmäßig in den Schlagzeilen lesen. Die Stiftung Niedersachsen Metall, deren Kuratorium Dr. Hubert Schmidt, Geschäftsführer der Firma Stüken, angehört, will deshalb da ansetzen, wo man das Problem lösen könnte - an den Gymnasium.

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Rund 30 Mitarbeiter bei Stüken haben eine akademische Ausbildung - so auch Diplom-Ingenieur Jörg Rolfes (l.), der Geschäftsführer Dr. Hubert Schmidt die Konstruktion einer Maschine erläutert. Foto: mld

Am morgigen Donnerstag findet deshalb am Ernestium ein “Technik-Tag” statt, bei dem namhafte Referenten, darunter auch Schmidt selber (gerade von einem Besuch bei Airbus in Toulouse zurückgekehrt), in Vorträgen und Workshops den Schülerinnen und Schülern technische Berufe und ein naturwissenschaftliches Studium schmackhaft machen wollen. Mit trockenem Humor schilderte Schmidt, warum so ein Tag gerade in Rinteln wichtig ist: Stüken sei zwar ein großes Unternehmen, weltweit tätig, aber “wir liegen eben nicht in München”. Und deshalb habe man in der Provinz noch größere Schwierigkeiten, Ingenieursnachwuchs zu finden als Firmen in den Metropolen.

Schmidt setzt deshalb auf Nachwuchs aus der Heimatstadt, also vom Ernestinum. Auf Gymnasiasten, die nach einem Studium wieder zurückkommen - auch weil sie Stüken kennen und wissen, dass es der Karriere förderlich sein kann, wenn man jemanden persönlich kennt.

Rund 30 Mitarbeiter bei Stüken haben eine akademische Ausbildung und das auf ganz unterschiedlichem Wege. Da gibt es die klassischen Gymnasiasten mit Studium, dann Mitarbeiter, die bei Stüken gelernt und über den zweiten Bildungsweg eine Fachhochschule absolviert haben - “alles gute Leute”.

Das Gymnasium sei für ein solches Technik-Symposium genau der richtige Ort, findet auch Gymnasialleiter Reinhold Lüthen, denn die Naturwissenschaften zählten nicht gerade zu den Lieblingsfächern der Schüler - hier gebe es Nachholbedarf. Das hat ganz handfeste Gründe: Physik, Mathematik und Chemie, so Lüthen, sind “harte Fächer, die Anforderungen sehr hoch, da kann man sich nicht einfach durchmogeln”. Ohne intensives Lernen gehe es nicht. Ähnlich sähen dann die Berufsvorstellung vieler Gymnasiasten aus: Jura wollen sie studieren, etwas in den Medien machen, im Management, in der Kommunikation.

Der Workshop soll den Gymnasiasten deshalb die Bandbreite technischer Berufe zeigen - auch, dass ein Physiker nicht verurteilt ist, sein Leben lang in der Werkstatt oder am Labortisch zu stehen, sondern durchaus in das Management eines Unternehmens aufsteigen kann. Lüthen sieht allerdings auch, dass es nicht nur an den Gymnasien hakt, sondern sich langfristig auch an den Universitäten etwas ändern muss, um Naturwissenschaften für Studenten attraktiver zu machen.

Wie Technik-Studenten ihre Situation selbst sehen, kann man im Chatroom der Fachhochschule Hannover nachlesen - und auch, dass der Ingenieurmangel andere Gründe hat als nur den Unwillen der Gymnasiasten, Formeln zu pauken. Zitat: “Die Industrie möchte 20-jährige Dipl.-Ings mit einem 1,0-Abschluss, die erklären, nie heiraten zu wollen, um mobil zu bleiben.”

Eine weitere Facette der Realität fasst ein Student im Forum knapp so zusammen: “Ein Prüfling ist gerade durchgefallen und verlässt das Gebäude, als von oben sein Prüfer runter ruft: ,Sie haben doch bestanden, der hier ist noch viel schlechter.’”

© Schaumburger Zeitung, 26.09.2007

Lehrpläne und Prüfungsthemen

Informationen zu aktuellen Lehrplänen, und zentralen Prüfungsthemen  für die Mittel- und Oberstufe finden Sie auf den Seiten des Kultusministeriums: click !

MUNE: “Wie ein Kongress - und das in der Schule”

Modell-UN-Sitzung im Ernestinum: Superintendent Andreas Kühne-Glaser referiert zu Sterbehilfe

Rinteln (cok). “Man kommt sich vor wie auf einem Kongress - und das in der eigenen Schule!” Reinhold Lüthen, Schulleiter des Gymnasiums Ernestinum, ist sichtlich beeindruckt von seinen Schülern, die - in perfekter Businesskleidung - für zwei Tage eine Sitzung der Vereinten Nationen simulierten und dabei unterschiedlichste Themen in englischer Sprache in der Rolle jeweils eines Länderdelegiertendiskutierten.

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Die beiden “Chairs” des Sozialrates verabschieden den Referenten: Stephanie Jungnitz (r.) und Sabrina Niepelt mit Superintendent Andreas Kühne-Glaser. Foto: cok

MUN, “Model United Nations”, heißt das Projekt, das in vielen Ländern der Erde immer wieder von Studenten und Schülern durchgeführt wird, um ihr Wissen über politische Entscheidungsfindungen innerhalb der Vereinten Nationen zu vertiefen. Im “Sozialrat”, der neben Wirtschafts- und Sicherheitsrat am Ernestinum tagte, ging es dabei unter anderem um das Thema “Sterbehilfe” und darum, eine international verbindliche Grundnorm zu finden, wie sich die Staaten als Mitglieder einer Weltgesellschaft zu diesem heiklen Thema stellen wollen. Als Referent zu Gast war Superintendent Andreas Kühne-Glaser. Der nun hielt vor der Schülerversammlung einen umfassenden und anspruchsvollen Vortrag zum Thema, in den er die Schüler mit geschickten Fragestellungen einbezog und spürbar beeindrucken konnte. Obwohl er durchaus in seiner Rolle als Vertreter der evangelischen Kirche im Landkreis sprach, ließ er jede Menge Denkmöglichkeiten zu, lenkte die “Delegierten” dann aber doch in eine Richtung, die eindeutig gegen staatlich sanktionierte “aktive” Sterbehilfe Position bezog.

Dazu begann er mit einer ganz grundsätzlichen Frage, ohne deren Beantwortung - das wurde schnell klar - gar keine durchdachte Stellungnahme zum Sterbehilfe-Thema möglich sein würde, nämlich diejenige nach dem Menschenbild, das einer Staatsverfassung zugrunde liegen soll. “Wie viel ist ein Mensch wert?”, fragte er dann ganz konkret, und obwohl die Schülerantworten sehr weise formulierten, dass das Leben eines Menschen keinen “Preis” haben könne, belehrte er sie zunächst des Gegenteils: “Ihr ,Verpackungswert’ zum Beispiel ist heute sicher recht hoch”, meinte er in Anspielung auf die ausgesuchte Kleidung, die alle als Delegierte trugen. Und kam dann auf den “Gebrauchswert” von Menschen zu sprechen, der höher liegt, je stärker, klüger, besser ausgebildet sie sind, auf den “Verkaufswert”, den sie als Arbeits- oder Sexsklaven haben können oder gar den schlichten “Materialwert” des Körpers.

Das alles tat er vor dem Hintergrund der Geschichte eines querschnittsgelähmten Mannes, der nicht mehr leben will und, da er sich nicht selbst das Leben nehmen kann, Sterbehilfe sucht. Als weitere Illustration wählte er einen Ausschnitt aus Friedrich von Bodelschwinghs Biographie, in der der spätere Leiter des diakonisches Werkes Bethel beschreibt, wie er als junger unerfahrener Mann ein elend verdrecktes, schwerstbehindertes Kind waschen soll und vor Ekel fast fallen lässt, bis er begreift, dass es seinen ganz eigenen Zugang zum Leben hat.

“Unwertes Leben” zu beenden, das war auch im 20. Jahrhundert nicht erst eine Erfindung der Nazis, sondern wurde schon Jahrzehnte vorher politisch diskutiert, immer unter dem Gesichtspunkt, dass ein Leben Wert haben müsse, nicht nur für denjenigen, der es lebt, sondern auch für die Gesellschaft, in der es leben soll. Aus Kühne-Glasers Argumentation heraus nun wurde nach und nach unabweisbar deutlich, dass sich die Frage nach der Haltung eines Staates zur Sterbehilfe nicht an der Kategorie des “Wertes” orientieren soll. Am Beispiel der Liebe selbst vieler Erwachsener zu ihrem abgegriffenen Kuscheltier aus Kindertagen wendete er den Gedankenweg zum Philosophen Immanuel Kant und seinem Diktum, dass “was über allen Preis erhaben ist”, Würde habe. “Und”, so Kühne-Glaser: “Einen Menschen nur als Mittel zum Zweck zu betrachten, das ist unter der Würde.”

Dass es Sterbehilfe geben soll, sei auch der Standpunkt der Kirche, machte er weiterhin klar. Doch es müsse, wie es ja bisher auch im deutschen Staat Gesetz sei, bei einer Hilfe “im Sterben”, nicht “zum Sterben” bleiben. Einem todkranken Menschen durch “passive” Sterbehilfe das Sterben zu erleichtern, sei weit entfernt davon, einem Sterbewilligen den Tod geben zu dürfen. “Was wäre es für ein Staat, in dem aktive Sterbehilfe erlaubt wäre?”, fragte er in Hinblick auf unkontrollierbare Missbrauchsmöglichkeiten.

Sehr nachdenklich gingen die Schüler in ihre Sitzungspause, während Stephanie Jungnitz und Sabrina Niepelt als “Chairs” des Sozialrates den Referenten verabschiedeten, der außerdem von Olga Reimchen, Organisatorin der Finanzen und Betreuerin der Gastredner, formvollendet ein Geschenk überreicht bekam. “Ich bin wirklich stolz auf unsere Schüler”, so Schulleiter Reinhold Lüthen. “Es ist die Idealform von Schule, wenn sie solche anspruchsvollen Projekte in eigener Regie auf die Beine stellen können.”

© Schaumburger Zeitung, 15.09.2007

MUNE: “Vereinte Nationen” tagen in Rinteln

Politik aus erster Hand: Ernestinum-Schüler versuchen sich als Redner im Forum der Weltöffentlichkeit

Rinteln (cok). Dass die Vereinten Nationen einmal in Rinteln tagen würden! Heute ab 9.30 Uhr kommen sie zusammen, die Gesandten der Staaten dieser Welt, um sich in ihren Gremien zu treffen und Resolutionen zu verfassen. Ort der Veranstaltung: Das Gymnasium Ernestinum.

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Sonja Rinne (r.) und Lena Neuberg waren von einem UN-Rollenspiel an einer Schule in Holland so fasziniert, dass sie auch andere Schüler am Ernestinum dafür begeistern konnten. Heute und morgen wird die UN in Rinteln Realität. Foto: cok

Das Projekt, das dahinter steht: “Model United Nations” - eine von Rintelner Schülern organisierte Simulation von Sitzungsarbeit und Verhandlungsabläufen der UN. Die 18-jährige Sonja Rinne leitet das ehrgeizige Projekt und übernimmt dabei die Rolle der Generalsekretärin. Zusammen mit ihrer Mitschülerin Lena Neuberg und etwa acht anderen Schülern aus dem Englisch-Leistungskurs des 13. Jahrgangs steckte sie ein halbes Jahr intensiver, begeisternder Arbeit in dasUnternehmen, an dem insgesamt rund 50 Schüler teilnehmen, indem sie für zwei Tage in die Rolle von Delegierten einzelner Länder schlüpfen und entsprechend in den politischen Verhandlungen auftreten.

Überall auf der Welt werden solche Simulationen unter dem Stichwort “Model United Nations” organisiert, meistens an Universitäten, manchmal auch an weiterführenden Schulen. Sonja, Lena und die anderen Ernestiner kamen auf die Idee, ebenfalls so ein Projekt in Angriff zu nehmen, nachdem sie im letzten Jahr mit ihrem Leistungskurs in Holland selbst als Delegierte eines MUN teilnahmen und restlos fasziniert von der Erfahrung zurückkehrten. “Das hat uns angetrieben!”, sagt Sonja Rinne. “Wir wollten unbedingt auch bei uns ein MUN auf die Beine stellen.” Die Verkehrssprache während des MUNE, des “Model United Nations Ernestinum”, ist Englisch.

Jeder der Teilnehmer an diesem Rollenspiel hat sich - je nachdem, ob er zum Sicherheitsrat oder zum Wirtschaft- und Sozialrat gehört - nicht nur auf die zu diskutierenden Themen vorbereitet, sondern auch auf die Rolle, die “sein” Land bei der Entscheidungsfindung vermutlich spielen würde. “Allein das forderte so intensive Vorbereitung”, meint Lena Neuberg. “Da gibt es nämlich keine fertigen Vorgaben, sondern jeder musste sich seine Informationen aus über 100 verschiedenen Quellen zusammensuchen.” Zur Diskussion stehen Problemfelder wie der Israel-Palästina-Konflikt, der Globale Klimawandel oder auch “Euthanasie”, wobei zu letzteren Themen auch lokale Referenten eingeladen wurden, der Rintelner Meteorologe Prof. Dr. Günter Gross etwa und auch Superintendent Andreas Kühne-Glaser vom Kirchenkreis Grafschaft Schaumburg.

Die entsprechenden und von allen gemeinsam zu verantwortenden Resolutionen werden dann auf der Abschlusssitzung vorgetragen und schließlich auch auf der eindrucksvoll professionell aufgezogenen Internetseite www.mune-rinteln.de veröffentlicht.

Den beiden Schülerinnen ist ihre große Begeisterung und Vorfreude unbedingt anzumerken. “Selbst wenn die Veranstaltung nicht so toll werden sollte, wie wir es erhoffen, dann hat die Zeit der Vorbereitung schon so viel für uns gebracht”, sagt Lena.

Und Sonja ergänzt: “Wir wollen eben auch zeigen, dass junge Leute nicht unbedingt politikfaul sind, sondern einiges daran setzen, um ein tieferes Verständnis für die politischen Entscheidungsprozesse zu gewinnen, die uns schließlich in einer globalisierten Welt alle angehen.”

© Schaumburger Zeitung, 12.09.2007

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