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"Wir sind ein Volk!"

- Losung des Herbstes 1989 in der DDR

1991-1995
Die ersten Jahre "danach"

Die Wiedervereinigung hat ihren Preis und das nicht nur in finanzieller Hinsicht.

Solidaritätszuschlag für die Einheit - Bonn am 14. Mai 1990. Da die Wiedervereinigung "nicht zum Nulltarif zu haben ist" (Arbeitsminister Norbert Blüm), beschließt der Bundestag die Einführung eines befristeten Solidaritätszuschlags. Vom 1. Juli 1991 bis zum 30. Juni 1992 werden 7,5 % auf die Lohn-, Einkommen- und Körperschaftssteuer erhoben. Die Einnahmen betragen 23,5 Milliarden Mark. Ab Januar 1995 wird die Sondersteuer in gleicher Höhe unbefristet wieder eingeführt. 1996 fordert die FDP eine Senkung des Solidaritätszuschlags auf 5,5 %, die ab Januar 1998 in Kraft tritt.

Brandanschläge gegen Ausländer - Eine Welle von Gewalt gegen Ausländer rollt über die Bundesrepublik hinweg. Ein Höhepunkt dieser Welle spielt sich im November 1992 ab. Bei einem Anschlag auf ein Haus in Mölln, in dem Türken wohnen, sterben eine Frau, ihre Enkelin und ihre Nichte. Die Brandstifter (25 u. 19 J.) bekommen lebenslänglich bzw. 10 Jahre Jugendstrafe wegen Mordes.
   Im Jahr zuvor, in der Nacht zum Tag der Deutschen Einheit, werfen rechtsradikale Jugendliche Brandsätze auf ein Asylbewerberheim in Hünxe. Doch viele Deutsche demonstrieren gegen den Hass. Allein in Hamburg versammeln sich 450. 000 Menschen mit Fackeln und Kerzen rund um die Alster.

Der Spitzelstaat - Nach und nach geben die Archive der Gauck-Behörde das tatsächliche Ausmaß des Stasi-Unrechts preis: Fast alle Bereiche des Lebens in der DDR waren von den 89.000 hauptamtlichen und 173.000 inoffiziellen Stasi-Mitarbeitern durchdrungen. So wurden in den achtziger Jahren sogar evangelische Bischöfe als Stasi-Agenten eingesetzt. Im Mittelpunkt der Arbeit des gewaltigen Stasi-Apparates stand nach innen die Bekämpfung und Ausschaltung politisch anders Denkender. Die Palette reichte dabei von der Bespitzelung und Inhaftierung bis hin zur "Zersetzung" und "Liquidierung". Doch nur die wenigsten Agenten wurden nach der Wende enttarnt und bestraft.

Rinderwahn: Deutsche in Angst - Das gefürchtete BSE [?] breitet sich aus. Metzgereien und Fleischabteilungen von Supermärkten kämpfen verzweifelt um Kunden: "Garantie!!! Wir führen nur deutsches Rindfleisch!" verkünden handgemalte Schilder. Es hilft nicht viel. Es hilft nicht viel. Die Deutschen, die 1991 noch 20,6 Kilo Rindfleisch pro Kopf und Jahr gegessen hatten, verzehren dieses Jahr nur noch 17,4 Kilo, 1995 sogar nur noch 16,3 Kilo.

Christo in Berlin - Am 23. Juni 1995 präsentiert Berlin das spektakulärste Kunstereignis des Jahres: den verhüllten Reichstag [mehr Infos]. Fünf Millionen Besucher pilgern in diesem Sommer auf die Wiese vor den zukünftigen Sitz des Bundestages, um das in der Sonne glitzernde Bauwerk zu bestaunen. Berliner campieren vor dem Gebäude, machen Picknick, singen und tanzen. Aus Skeptikern werden Bewunderer. Doch mit dem Umbau des Rechstags ist die Zeit der Großbaustellen in Berlin noch lange nicht vorbei. Noch einige Jahre später wird in der Stadt gebaut.
 

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