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"Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart."
- Richard v. Weizsäcker, 1989
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1986-1990
Die deutsche Wiedervereinigung
Die Jahre der "Wende". Doch: Die Zeit der Wiedervereinigung wird auch von einigen tragischen Ereignissen überschattet.
Atomwolke über Deutschland - Eine riesige, atomar verseuchte Wolke zieht über Europa hinweg - in der ukrainischen Stadt Tschernobyl ist der 4. Block des Kernkraftwerks explodiert. Die unsichtbare Gefahr aus der Luft versetzt die Bürger der Bundesrepublik in berechtigte Angst.
In vielen Nahrungsmitteln werden stark erhöhte Strahlungswerte gemessen. Aber die Gefahr geht nicht nur von Nahrungsmitteln aus. Durch den Regen werden z.B. Spielplätze verstrahlt. Dennoch versucht man im Osten, den Vorfall zu vertuschen.
Uwe Barschels Tod im Hotel - Am Nachmittag des 11. Oktobers 1987 erschüttert eine Nachricht Deutschland: Uwe Barschel lebt nicht mehr. Zwei Reporter hatten den Ex-Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein um 12.30 Uhr tot in der Badewanne in seinem Genfer Hotel aufgefunden. Niemand weiß, was in der Nacht zum 11. Oktober mit Barschel geschah, fest steht jedoch: Der Tod wurde durch eine Medikamentenvergiftung ausgelöst. Ob Barschel ermordet wurde oder Selbstmord beging, ist bis heute ungeklärt.
Ramstein: 70 Tote bei Flugschau - Flugtag auf dem US-Luftwaffenstützpunkt in Ramstein. Bei strahlendem Wetter drängen sich an diesem Sommertag 300.000 Zuschauer. Es ist der 28. August 1988. Um 15.45 die Katastrophe: Die italienische Kunstflugstaffel "Frecce Tricolori" setzt zu ihrem letzten, besonders spektakulärem Manöver an, dem "durchstoßendem Herz". Dabei fliegt eine einzelne Maschine durch einen Pulk von anderen Maschinen und nähert sich diesen bis auf wenige Meter. So soll es sein - aber an diesem Tag misslingt das waghalsige Kunststück. Einer der Unglücksjets rast als Feuerball auf die Zuschauer. Insgesamt müssen an diesem Tag 70 Menschen sterben, unter ihnen auch viele Kinder und Frauen. [Mehr Infos]
Deutschland umarmt sich - Sie haben sich vorher nie gesehen - doch trotzdem liegen sich die Menschen aus Ost und West lachend und weinend in den Armen. Am Brandenburger Tor stehen junge Frauen und Männer auf der Mauer, verharren ergriffen, viele von ihnen mit Tränen in den Augen. Es ist die Nacht der deutschen Einheit, die Nacht vom 9. auf den 10. November. Erst wenige Stunden zuvor wurde bekannt gegeben, dass jeder DDR-Bürger über die Grenzstationen in den Westen Reisen kann.
Was von SED-Chef Egon Krenz als "Ventil" gedacht ist, um die Massenflucht über Ungarn einzudämmen, löst eine regelrechte Sturzflut aus. Der Untergang der DDR steht kurz bevor, trotzdem verkündet Gorbatschow noch im November, dass Russland die DDR nicht im Stich lassen wird. Aber schon im nächsten Jahr kommt alles anders. [Mehr Infos]
Der Tag der Deutschen Einheit - Es geschieht in der Nacht zum 3. Oktober 1990: Kurz vor Mitternacht schreiten vierzehn Jungen und Mädchen mit einer riesigen schwarz-rot-goldenen Flagge die Stufen des Reichstagsgebäudes herunter. Vom Schöneberger Rathaus herüber ertönt die Freiheitsglocke. Unter dem Jubel der Menschenmenge vor dem Reichstag steigt die Fahne empor.
Bundespräsident Richard von Weizsäcker tritt ans Mikrofon und gelobt im Namen der Deutschen: "In freier Selbstbestimmung wollen wir die Einheit Deutschlands vollenden. Wir wollen in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt dienen." Bläser und Chor intonieren das Deutschlandlied.
Hunderttausende, darunter Bundeskanzler Helmut Kohl und Außenminister Genscher, stimmen ein. Ein Riesenfeuerwerk erleuchtet den Nachthimmel über Berlin, lachend und weinend fallen sich die Menschen in die Arme. In seiner Fernsehrede zur Wiedervereinigung spricht Helmut Kohl von einer schwierigen Bewährungsprobe und bittet alle Deutschen: "Erweisen wir uns der gemeinsamen Freiheit würdig."
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