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"Wir müssen in unserem Bewusstsein dem Grundrecht auf Freiheit die moralische Grundpflicht zur Verantwortung an die Seite stellen."

- Helmut Schmidt, 1998

1976-1980
Massenvertreibung und Massenflucht

Gut 25 Jahre nach der Gründung der DDR werden immer mehr systemkritische Stimmen des Landes verwiesen. Auch werden sich die Deutschen des Begriffs Umweltschutz immer bewusster.

Prominente verlassen den Osten - Neben dem ARD-Reporter Lothar Loewe werden auch zahlreiche andere Prominente aus der DDR ausgewiesen [Mehr Infos].
   So beantragt Manfred Krug [?] am 20. April 1977 die Ausreise. Er begründet seine Entscheidung mit den Repressalien, denen er seit seinem Protest gegen die Ausweisung Biermanns im November 1976 ausgesetzt ist:
   Das DDR Fernsehen hat ihn von jeder Mitarbeit ausgeschlossen, eine geplante LP erscheint nicht, eine West-Tournee darf er nicht antreten, 9 von 15 zugesagten Konzerten wurden gestrichen und es wurde gezielt Unwahrheiten über ihn in Umlauf gesetzt. Z.B. wurde erzählt, er sei kriminell, habe mehrmals im Gefängnis gesessen und verfüge über Dollar-Konten in der Schweiz und er sei ein Staatsfeind und Verräter an der Arbeiterklasse.
   Die Klagen über Krug stimmen genau mit den Stasi-Richtlinien für Kritiker überein. Am 20. Juni 1977 reist Krug mit seiner Familie nach West-Berlin aus.

Spektakuläre Fluchtaktion - In der Nacht zum 16. September gegen 2.40 Uhr ist am Himmel ein Flackern am Himmel zu sehen. In der Luft schwebt ein Ballon. Eines der tollkühnsten Fluchtunternehmen endet glücklich in Oberfranken [Mehr Infos].
   Noch Minuten zuvor haben acht Menschen 1000 Meter über dem Todesstreifen um ihr Leben gebangt. Auf einer kleinen Plattform stehen zusammengedrängt zwei Ehepaare und ihre Kinder. Würden DDR-Grenzer sie abschießen? Würde das Gas für den Brenner reichen?
   Es reicht - gerade so. Etwas unsanft setzt der Ballon am Stadtrund auf. Zwei Gestalten kommen auf Polizist Rudolf Gögel zu. Als die Flüchtlinge die westdeutschen Uniformen erkennen und eine Wunderkerze anzünden, ist für alle klar: Die Flucht ist gelungen. Für den Ballon haben die Familien in 27 DDR-Städten Stoff und Seile gekauft, um letztendlich in Pößneck starten zu können.

Die Schneekatastrophe - Am 29. Dezember 1978 tobt ein Schneesturm über Deutschland. Der Schnee türmt sich bis zu 7 Metern auf. Er stoppt Lastwagen und lässt Züge entgleisen. Es schneit 87 Stunden, fast pausenlos. Zehn Menschen erfrieren, mehr als 80 Dörfer sind abgeschnitten. Durch das Unwetter sitzen 14.500 Menschen im Dunklen.
   Nur durch den Einsatz von Bundeswehr-Hubschraubern ist es möglich, vielen Menschen medizinische Hilfe zu geben. Insgesamt entsteht in der Bundesrepublik ein Schaden von 140 Millionen Mark.

Der deutsche Wald stirbt - Weit über 20 Milliarden Bäume bedecken ein Drittel Deutschlands. Aber 1980 wird zum ersten Mal ein starker Rückgang des Waldbestands festgestellt. Zuerst trifft es die Tannen. Ihre Feinwurzeln sterben, Fäulnis frisst sich in die Stämme. In ihrem "Nasskern" vermehren sich Viren, Bakterien und Pilze. Nadeln färben sich braungelb, Kronen lichten sich. Eichen und Buchen verlieren ihre Blätter. Am schlimmsten sind Bayern, Hessen, der Ostharz und das Erzgebirge betroffen.
   Viele Wissenschaftler meinen, Abgase hätten die größte Schuld am Waldsterben. Die Politik reagiert und gibt 500 Millionen Mark für Waldschadensforschung aus.
   Die Industrie sieht sich gesetzlich gezwungen, bessere Rauchgas-Entgiftungsanlagen zu entwickeln. Autos werden mit Katalysatoren ausgestattet. Förster lassen den Boden kalken. Der Wald erholt sich langsam, gesund ist er aber lange noch nicht.

 

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