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"Gerade die Jugend hat es verdient, dass wir nicht mit dem Tellerrand des Augenblicks Politik machen."

- Helmut Kohl

1966-1970
Rezession im Westen

Diese Jahre stellen den Westen auf eine schwere Probe. Nach dem großen Aufschwung in den Fünfzigern nun der erste Dämpfer. Dennoch schafft es die deutsche Wirtschaft, sich wieder zu erholen.

Konjunktureinbruch im Westen – Mitte der Sechziger bekommt das "Wirtschaftswunder" aus den Fünfzigern einen großen Knick. Ein Konjunktureinbruch hemmt das stetige Wachstum der deutschen Wirtschaft, was zu 600.000 Arbeitslosen führt. Die erste Rezession der deutschen Nachkriegsgeschichte schockt die Bundesbürger [Mehr Infos].
  
Zeitgleich zerbricht die Schwarz-Gelbe Regierung an einem Streit um die Haushaltspolitik. Dadurch kommt es zur Großen Koalition [?]. Zum ersten mal in der Geschichte der BRD ist damit eine Sozialdemokratische Partei in der Regierung.
   Mitte 1967 tritt wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage ein "Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft" in Kraft. Dennoch bleibt die Situation angespannt. Der Niedergang der deutschen Wirtschaft macht sich in einer Politikverdrossenheit bemerkbar, die sich am deutlichsten 1967 bei den niedersächsischen Landtagswahlen zeigt: Dort zieht die radikale NPD [?] mit 10 Abgeordneten in den Landtag ein.

Leben im Westen - In der allgemeinen negativen Einstellung Ende der 60er Jahre geht der Start des Farbfernsehens fast unter. Kein Wunder: Erst 80.000 Bundesbürger können sich Farbfernseher leisten. Der Ende 1969 in Washington unterzeichnete Atomsperrvertrag soll das Risiko eines Atomkrieges eingedämmt werden, indem die Staaten mit und die ohne Atomwaffen bestimmten Regeln unterworfen werden [Mehr Infos].
   Eine Volkszählung am 27. Mai 1970 ergibt, dass bereits 60.650.599 Mio. Menschen in der Bundesrepublik leben.
   Die Große Koalition setzt 1968 trotz heftiger Proteste von vielen Intellektuellen die "Notstandsgesetze" [?] durch, die eine Erweiterung des 1949 beschlossenen Grundgesetzes darstellen. Sie stellen eine umfassende Regelung eines eventuellen Notstandes in der Bundesrepublik dar.

Internationale Anerkennung des Ostens - Obwohl noch Anfang 1966 der Antrag der DDR, in die Vereinten Nationen (UN) aufgenommen zu werden, abgelehnt wird, steigt das internationale Ansehen des Oststaates.
   Im gleichen Jahr wird das erste Atomkraftwerk in Rheinsberg (Bezirk Potsdam) in Betrieb genommen. Damit gehört die DDR neben der BRD zu den zehn Ländern der Welt, die Kernkraftwerke betreiben - das schindet internationalen Eindruck und weckt ostdeutschen Nationalstolz. Der wird am 13. August 1966 ohnehin geweckt, als die euphorisch mit einer großen Parade den 5. Jahrestag der Berliner Mauer feiert.
   1969 dann der Durchbruch: Als erster nichtkommunistischer Staat erkennt Kambodscha die DDR als souveränen Staat an. Weitere Länder (u.a. Irak, Syrien und Ägypten) folgen dem Beispiel. Die BRD "friert" im Gegenzug durch Abzug ihres Botschafters aus Kambodscha die Beziehungen zu dem Land ein.
   Wenig später dann ein weiterer Erfolg: Die DDR-Fahne und -Nationalhymne werden bei Sportveranstaltungen geduldet.

Die neue Ostpolitik - 1967 treibt man in der DDR mit der Einführung einer eigenen Staatsbürgerschaft die Abgrenzung von der BRD zunächst noch weiter voran. Doch bald wird sich an den seit langem festgefahrenen Beziehungen zwischen der DDR und der BRD etwas ändern.
   Denn zwei Jahre später muss die CDU nach 20 Jahren ihre Regierungsmacht abgeben. Die große Koalition wird durch eine sozialliberale abgelöst. Der neue Kanzler Willy Brandt hat dazu das passende Motto: "Mehr Demokratie wagen". Die neue Entspannungspolitik soll zur Auflockerung der starren Fronten zwischen Ost und West beitragen.
   Bereits im nächsten Jahr kommt Bewegung in die Deutschland- und Ostpolitik. Brandt fährt nach Erfurt, Stoph kommt nach Kassel. Währenddessen werden in Moskau und Warschau die Ostverträge unterzeichnet. Sie stellen die Beziehungen zwischen den Saaten auf eine neue Grundlage. Die Bevölkerung der DDR erhofft sich Erleichterungen von Brandts neuer Ostpolitik.

Die Schuld der Vergangenheit - Ein Zeichen der Sühne deutscher Verbrechen in der Nazizeit ist es, als Bundeskanzler Willy Brandt am 7. Dezember 1970 vor dem Ghetto-Denkmal in Warschau niederkniet. Das Foto des reumütig-schweigsamen Brandt gehen um die Welt und wird zu einem Symbol der Bitte um Vergebung.
 

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