Zuversichtlich ins 21. Jahrhundert
Anlässlich des 50. Jahrestag der Bundesrepublik Deutschland hielt der damalige Bundespräsident Roman Herzog eine Ansprache im Berliner Reichstag.
Der scheidende Bundespräsident Herzog zeichnete ein positives Bild Deutschlands. Gleichzeitig verlangte er mehr Veränderungsbereitschaft in Politik und Gesellschaft.
"Wir können mit Zuversicht in das 21. Jahrhundert gehen", sagte Herzog. Die nächste Generation könne darauf aufbauen, dass Deutschland eine gefestigte Demokratie, wirtschaftlich stark und ein Land mit großem Wohlstand sei.
Defizite sah Herzog aber im Zusammenwachsen des Landes und im zukunftsgerichteten Denken der Politik. Die Bürger forderte Herzog zu mehr Gemeinsinn auf. "Ohne den Einsatz des Einzelnen für die Gemeinschaft ist auf Dauer jedes Gemeinwesen überfordert." In den 40 Jahren der Teilung hätten sich die Deutschen "weiter auseinandergelebt, als wir in der ersten Euphorie der wiedergewonnenen Einheit hofften".
Um das soziale Netz halbwegs zu sichern, müssten die Deutschen mehr Veränderungsbereitschaft an den Tag legen, als er gegenwärtig sehe. Dies müsse die Menschen so stärken, dass möglichst viele nicht auf staatliche Transferleistungen angewiesen seien.
In Hinblick auf die nationalsozialistische Vergangenheit Deutschlands dürfe es keinen Schlussstrich geben, verlangte der Bundespräsident. Die Erfahrungen von Verfolgung, Massenmord, von Kriegen und Vertreibungen müssten so gut wie möglich an die kommenden Generationen weitergegeben werden. "Das ist unsere Pflicht vor der Geschichte."
Die kommende Generation werde eine Generation sein, "die ihre Vergangenheit annimmt und gerade deshalb selbstbewusst in die Zukunft geht".
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