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Das Herz schlägt links

[Oskar Lafontaine]Der frühere SPD-Vorsitzende und Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine hat vor einiger Zeit der "Welt am Sonntag" ein Interview mit Blick auf die bevorstehende Veröffentlichung seiner Erinnerungen gegeben.
Hier Auszüge des Interviews:


"Natürlich habe ich mir etwas von der Seele geschrieben. Der eine oder andere wird die Kritik, die in meinem Buch "Das Herz schlägt links" vorkommt, als Abrechnung bezeichnen. Für mich geht es aber vor allem anderen um die Richtung der Politik, um die sozialdemokratische Politik, die ich mit entwickelt habe. Und deshalb musste ich deutlich sagen, was ich für richtig und was ich für falsch halte (...)
   Ich habe meine Ämter niedergelegt, weil ich in Politikstil und Politikinhalt mit Gerhard Schröder grundsätzlich nicht übereinstimme und weil die Verfassung sagt: Der Bundeskanzler bestimmt die Richtlinien der Politik. Bei Brandt gab es nach dem Rücktritt eine längere Diskussion im Parteivorstand und einen Sonderparteitag. Beides war bei mir nicht möglich, weil ich Rücksicht auf die Partei und die bevorstehenden Europa-, Kommunal- und Landtagswahlen nehmen und die Partei nicht mit einem Streit belasten wollte. (...)
   Natürlich ist eine solche Entscheidung nie so eindeutig, dass nicht auch Gründe dagegen sprechen. Und selbstverständlich plagen mich auch Zweifel, wenn ich die schweren Niederlagen der SPD sehe. Da stelle ich mir natürlich immer wieder die Frage, ob die Entscheidung richtig war. Aber ich glaube, dass ich massive Gründe hatte, mich so zu verhalten (...)
   Die Politik, die von Teilen der Publizistik fälschlicherweise als Modernisierung gepriesen wird, ist jetzt sechs Monate lang gemacht worden. Die Reaktion der Wähler ist eindeutig und unmissverständlich (...)
   Aber ich habe jetzt in einer konkreten Situation auch für meine Familie entschieden. Und das ist nicht nur eine Garnitur meiner Entscheidung ... Ich werde mich natürlich in die öffentliche Debatte einmischen und für die Politik werben, die ich für richtig halte (...)
   Aber ich hoffe, dass man meine Entscheidung akzeptiert. Schon in der ersten Stellungnahme nach dem Rücktritt und auch in dem Buch verweise ich zur Begründung für meinen Schritt auch auf das Attentat im Jahr 1990 und die Einstellung zum Leben, die ich daraus gewonnen habe ...
   Im Grunde genommen ist das Attentat ein schweres psychisches Trauma, das eine lange Zeit der Verarbeitung braucht ... Es hat meine Einstellung zum Leben verändert ..."
 

Quelle: ZDF News (Link)
Mit Material von DPA

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