"Die Blechtrommel" war sein Durchbruch
Vor einiger Zeit wurde Günter Grass der Literatur-Nobelpreis verliehen. Trotz herausragender Werke musste er auf diese höchste literarische Ehrung lange warten. Hier nun eine kurze Vorstellung des deutschen Autors:
Der aus Danzig stammende Autor, Ehrenbürger seiner Heimatstadt und Ehrendoktor der dortigen Universität, wurde vor allem mit seiner Danziger Trilogie berühmt und zum wohl bekanntesten lebenden deutschen Schriftsteller der Gegenwart. Er selbst sieht sich immer noch als Flüchtlingskind und meint, dieser Verzicht auf Heimat habe ihn mobil gemacht.
Vor rund vier Jahrzehnten hatte der Grass, der zunächst als Lyriker auf sich aufmerksam machte, seinen auch international beachteten Paukenschlag mit der "Blechtrommel" gelandet. Mit diesem Buch, von dem inzwischen über vier Millionen Exemplare verkauft wurden, hatte er die literarische Welt verblüfft, die mit einem Schlag auf ein neues Talent in der deutschen Nachkriegsliteratur aufmerksam wurde.
Grass hatte am 17. Juni 1953 mit eigenen Augen verfolgt, wie sich Panzer und Demonstranten am Potsdamer Platz gegenüberstanden und diese Erlebnisse später in seinem deutschen Trauerspiel "Die Plebejer proben den Aufstand" verarbeitet.
Der Cervantes-Roman über den ewigen Kampf gegen Windmühlenflügel gehört zu seinen Lieblingsbüchern, während es die "Hundejahre" unter seinen eigenen Werken sind.
Der inzwischen verstorbene Hans-Werner Richter erinnert sich an das erste Auftreten des "literarischen Anarchisten" Mitte der 50er Jahre: "Er erschien auf der Tagung 1955 in Berlin, ein junger Mann, den ich nicht kannte. Er sah verwegen aus, etwas heruntergekommen wie mir schien, desperat, wie ein bettelnder Zigeuner." In Großholzleute las Grass dann 1958 aus dem ersten Kapitel seiner "Blechtrommel".
Grass und die Kritiker - ein schwieriges Kapitel, voll von gehässigen Anschuldigungen beiderseits ("heruntergekommene Literaturkritiker"), wieder in den Vordergrund gerückt beim Erscheinen der Bücher "Die Rättin", einer apokalyptische Vision, und "Unkenrufe", einer deutsch-polnischen Rückbesinnung und Annäherung, sowie zuletzt "Ein weites Feld".
Ein eher unterschiedliches Echo gab es auf sein letztes, in diesem Sommer erschienenes Erzählwerk "Mein Jahrhundert" in 100 Einzelgeschichten, ausdrücklich "kein Jahrhundertroman", wie der Autor dazu betonte. "Das ist eine Erwartungshaltung, die nicht zu erfüllen ist. Es ist mein Versuch, eine erzählerische Bilanz zu ziehen."
Den Verband deutscher Schriftsteller verließ Grass, weil er dort nicht genügend Solidarität mit den in der damaligen DDR verfolgten Kollegen sah. Er unterstützte Willy Brandt und die SPD, der er aber auch den Rücken kehrte, als sie 1992 dem Asylkompromiss der CDU/FDP-Koalition zustimmte.
Dem PEN-Club drohte Grass mit Austritt, wenn die von ihm favorisierte Vereinigung mit dem Ost-PEN nicht zu Stande kommt - im Oktober 1998 wurde sie dann in Dresden vollzogen. Die deutsche Wiedervereinigung aber wird Grass nicht müde, als misslungen zu attackieren. "Es liegt immer noch kein Segen drauf", sagte er in diesen Tagen in einem Streitgespräch mit Martin Walser.
Lebensdaten und Werke:
- Geboren am 16.10.1927 in Danzig (heute Polen)
- 1956 Beendigung des Bildhauerei- und Graphikstudiums
- 1959 Veröffentlichung der "Blechtrommel"
- 1961 "Katz und Maus"
- 1963 "Hundejahre"
- 1965 Verleihung des Georg-Büchner-Preises
- 1965 politische Aktivität als Wahlkämpfer für die SPD (auch 1969 und 1972)
- 1977 "Der Butt"
- 1986 "Die Rättin"
- 1995 kontroverse Rezeption seines Wende-Romans "Ein weites Feld".
Weiteres: Liste aller Literatur-Nobelpreisträger seit 1946.
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