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Börsenfieber in Deutschland

Eine Krankheit geht um in Deutschland: das Börsenfieber. War das glatte Parkett des Börsenhandels früher nur das Jagdterritorium von wenigen Spezialisten, so stürzen sich jetzt Millionen von Kleinanlegern in den Handel mit Wertpapieren.

Die "Deutsche Telekom" machte mit ihrem Börsengang vor einigen Jahren den Anfang, der Kurs ist mittlerweile um 500 Prozent gestiegen (auch wenn der jüngste Kurseinbruch für erhebliche Verluste gesorgt hat).
   Den Banken rennen die Sparbuchkunden davon, zunehmend wird in Aktien investiert. Die Siemens-Tochter "Infineon", die vor kurzem an den Neuen Markt ging, galt als "Volksaktie" und sollte für viele Anleger, die den Börsengang der Telekom verpasst haben, nun eine neue Chance für kräftige Kursgewinne bieten. Die Folge: eine zwanzigfache Überzeichnung der Aktie. Viele Anleger gingen leer aus. Entsprechend groß war der Frust, obwohl sich die Euphorie an der Börse in Grenzen hielt. Der Kurs stieg zwar zunächst rasch an, fiel dann aber in den folgenden Tagen auch wieder um Einiges zurück.

Für noch mehr Wirbel sorgt der Börsengang des Telekom-Ablegers "T-Online". Mit der sympathischen Werbefigur "Robert T-Online" hat der Betrieb, der sich "größter Online-Dienst Europas" nennen darf, eine gigantische Werbekampagne in Zeitschriften, Radio und Fernsehen gestartet. Ein Garant dafür, dass sich wieder einmal die Privatanleger auf die Aktien stürzen werden. Viele erwarten gar einen noch größeren Ansturm als bei dem "Infineon"-Börsengang.

Dennoch sind die Meinungen der Experten zwiespältig. Die fast ausschließliche Konzentration von "T-Online" auf den deutschen Markt legt den Schluss nahe, der Betrieb habe die internationale Anbindung verschlafen. Aber internationale Partnerschaften und Zweigstellen, so der Vorstand, werde man bald nachholen - mit dem Kapital aus dem Börsengang.
   Euphorie am deutschen Aktienmarkt - doch Experten mahnen zu Bedachtsamkeit. "Wann platzt die Blase?" betitelte der "SPIEGEL" vor einiger Zeit eine Ausgabe und machte damit auf die Gefahren der Börse aufmerksam. Gerade am Neuen Markt entständen immer mehr Börsen-Neulinge, die Kurse würden sich vervielfachen, ohne dass hinter diesem Wachstum eine reale Entwicklung des Betriebs steht.

In den letzten Tagen kam es dann zu dem gefürchteten Absturz: Nach Verkündung des "Microsoft"-Urteils, dass nämlich die Firma wettbewerbswidrig gehandelt habe, stürzten viele Technologiewerte ab. Auch der "Microsoft"-Kurs gab stark nach.
   Die geplatzte Fusion der Bankenriesen "Deutsche Bank" und "Dresdner Bank" sorgten für weiteren Wirbel am Parkett, der den Abstieg noch beschleunigte.
   Einen zweiten "Schwarzen Freitag" wie 1929 in den USA haben wir damit zwar noch nicht, aber viele Anleger wurden dadurch trotzdem auf den Boden der Realität zurückgebracht. Unbestritten ist, dass sich der Trend weg vom Sparbuch und hin zum Aktiendepot weiter fortsetzen wird. Ungewiss ist allerdings die Zukunft vieler Aktienwerte.
  Wenn die Anleger nämlich feststellen, dass sich damit nicht nur Gewinne, sondern auch Verluste machen lassen, wird sich die Begeisterung schnell wieder legen...
 

 

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