Aufstand in Plauen
Anneliese Saupe [?], 82 Jahre alt, erinnert sich, wie sie Fotos und Informationsmaterial über die große Demonstration am 21. Oktober 1989 im vogtländischen Plauen in den Westen schmuggelte.
"Als die Demo mit etwa 20.000 Menschen vor das SED-Gebäude kam, gab es Pfui-Rufe und Beschimpfungen wie 'Ihr Schweine! Ihr Lumpen! Zurück in die Produktion!'. Die Demonstration führte dann weiter die Bahnhofsstraße hinab zum Rathaus. Dort wurden Reden gehalten, sogar Gedichte und ein selbstkomponierter Song wurden vorgetragen, und die Menge war jedes Mal begeistert. In dieser Art traf man sich nun jeden Sonnabend wieder, und das 22mal. Ganz Plauen war auf den Beinen, später kamen auch Freunde aus der benachbarten CSSR dazu. (...)
Ich selbst bin rückwärts marschiert und habe fotografiert und nachstenografiert. Dabei wurde ich sogar von Leuten, die am Rand standen, gefragt, ob ich für die Stasi arbeite. Da konnte ich nur lachen.
Die Atmosphäre auf dieser und den folgenden Demos war fröhlich und nicht mehr gewalttätig. (...) Und als die erste schwarz-rot-goldene Fahne oder gar Fahnen, aus denen das DDR-Emblem herausgeschnitten war, entrollt wurden, da war ein Klatschen und Jubeln unter der Menge, genauso wie zuvor an den Gleisen, als die Züge durch Plauen fuhren, die die DDR-Flüchtlinge von Warschau und Prag in den Westen brachten.
Weil ich wollte, dass man im Westen von unserem Aufbruch in Plauen Kenntnis nimmt, habe ich den fotografierten Film zusammen mit einem Bericht von den Ereignissen in die Unterwäsche eingenäht und bin mit dem Zug über Gutenfürst nach Hof gefahren, als Rentnerin durfte ich das ja. In Gutenfürst war die Grenzkontrolle, und ich habe natürlich gezittert vor Angst, erwischt zu werden. Sie haben mir aber nichts angemerkt.
In Hof angekommen, musste ich mich erst einmal erkundigen, wie ich am schnellsten zur nächsten Zeitungsredaktion komme. Ein Mann sagte: 'Natürlich haben wir eine Zeitung, fahren Sie mit dem Omnibus in die Poststraße!' Ich dachte bei mir: Du hast gut reden, bei keinem Pfennig Westgeld in der Tasche...! Also bin ich dorthin gelaufen.
In der Redaktion waren sie außer sich. Die hatten ja keine Ahnung! Sie hatten nur de Bilder von Berlin gesehen, davon, wie Honecker und Gorbatschow sich küssten, aber sie hatten nichts von dem Aufstand in Plauen mitbekommen.
Sie fragten immer wieder: 'Ist das wirklich wahr?' Ich sagte: 'Was hätte ich denn davon, wenn ich Sie belügen würde. Hier bringe ich Ihnen den Film dazu und deinen Bericht von mir.'"
|
|
Um gezielte Informationen zu finden, können Sie hier unsere Website nach Stichwörtern durchsuchen:
|
Möchten Sie über künftige Updates informiert werden? Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter [?]:
|
|